Das Wort zum Sonntag – 1. Fastensonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

Wir sind wieder am Beginn einer besonderen Zeit. Viele Menschen nutzen die Fastenzeit, um auf etwas zu verzichten, viele aus religiösen Gründen, andere aus gesundheitlichen oder anderen persönlichen Gründen. Manche verzichten auf Süßigkeiten, andere auf Fleisch oder Alkohol, wieder andere auf das Auto, manche auf negative Gedanken. Das sind alles gute und wertvolle Übungen, wenn die Intention stimmt.

Einen Hinweis darauf finden wir in der Lesung aus dem Buch Joel: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“, lesen wir da. Es kommt nicht auf das Äußere an, sondern es geht um unser Inneres. Alles, was mir dabei hilft, ganz zu mir zu kommen und mich frei von äußeren Zwängen zu machen, bringt mich Gott ein Stück näher. Bei dieser Freiheit geht es nicht um eine Freiheit „von“, sondern um eine Freiheit „für“. Ich bin frei, mich meinem Mitmenschen zuzuwenden, wenn ich etwas von meiner Zeit verschenke. Ich bin frei, weniger Fleisch und mehr regionale Produkte zu essen, weil ich solidarisch sein möchte. Ich bin frei, mit Gott ins Gespräch zu kommen, wenn ich mir täglich fünf Minuten Zeit nehme.

Eine Änderung meines Lebensstils lässt mich daran denken, dass meine Handlungen Auswirkungen auf andere Menschen haben. So ist für mich Gottes- und Nächstenliebe in der Fastenzeit besonders gut erkennbar. Gott hat es nicht notwendig, dass ich mich für ihn mit Verzichtsübungen quäle. Die Fastenzeit macht mir wieder bewusst, dass ich nicht allein auf dem Weg bin. Auch wenn unsere sozialen Kontakte im persönlichen Bereich noch immer und wahrscheinlich weiterhin eingeschränkt sind, sind wir alle miteinander auf die eine oder andere Art verbunden und vernetzt. Mein Denken und Handeln hat immer Konsequenzen für andere Menschen, im Positiven wie im Negativen.

Es kommt nicht auf das Äußere an. Gott möchte mein Inneres erreichen und verwandeln.

Die Offenheit dazu und die Bereitschaft, ihm Zeit zu schenken, wünsche ich uns! Gott schenkt uns die Fastenzeit, nehmen wir sein Geschenk an und lassen wir uns verwandeln und neue Wege gehen! Dann wird jede/r von uns für sich entdecken, worauf es ankommt.

Michael Lubega