Das Wort zum Sonntag – 2. Sonntag der Osterzeit

Liebe Pfarrgemeinde!

Ein Sachbuchautor, der beispielsweise den Nachweis erbringen möchte, dass die Menschheit wiederholt Besuch von technisch weiter als wir fortgeschrittenen Astronauten bekommen habe, wird sich hüten, auch nur eines der vielen Indizien auszulassen, die er in monate- oder gar jahrelanger Recherche ausfindig gemacht hat. Im Gegenteil, er wird alles, was nur irgendwie nach einem Beweis ausschaut, also auch manches fragwürdige und wackelige Argument auf den Tisch legen, um seine Leserinnen und Leser zu überzeugen.

Dem gegenüber leistet sich das Evangelium des Johannes die Ungeheuerlichkeit, eine Fülle von Beweisen einfach zu unterschlagen, wenn es anmerkt, es sei nur ein geringer Bruchteil all jener Zeichen schriftlich dokumentiert, die Jesus vor den Augen seiner Jünger getan hat.

Weshalb legt das Evangelium nicht alles vor, was ein Beweis sein könnte?

Vielleicht, weil manches nicht an die große Glocke der Indiskretion gehängt werden sollte? Oder weil die Geschichte mit Jesus die Begegnung mit einem Lebenden ist und die Zeichen bis auf den heutigen Tag noch immer passieren?

Mag sein.

Ganz bestimmt aber auch, weil es nicht um Quantität, sondern um Qualität geht. Denn wer einsichtig ist, braucht nicht viele Beweise. Ihm genügt schon ein einziger.

Ihr Pfarrer