Das Wort zum Sonntag – 5. Sonntag der Osterzeit

Liebe Pfarrgemeinde!

Ich fühle mich heute von den Worten der zweiten Lesung (Offb. 21,4) angezogen. Sie erinnern mich an eine tröstliche und Hoffnung machende Verheißung in der Prophezeiung Jesajas: "Auf diesem Berg wird er den "Trauerschleier wegnehmen, der alle Menschen bedeckt"... Jahwe wird die "Tränen von allen Wangen" abwischen (Jes 25,7-8). Es kann niemanden geben, auf den der Trauerschleier nicht gelegt worden ist. Es kann keine Wange geben, die noch nie Tränen gesehen hat; wenn überhaupt, sind wir alle weinend geboren. In dieser Welt der Tränen: der reichste Mensch, der stärkste Mensch, der intelligenteste Mensch, die schönste Frau; es gibt niemanden, der nie im Leben Trauer und Tränen erfahren hat. Ich kann mich irren, aber ich möchte sagen, dass es heute viele Tränen gibt, die abgewischt werden müssen.

In dieser Welt der Tränen gibt es niemanden, der besser geeignet ist, die Tränen abzuwischen, als Jesus, der sowohl menschliche als auch göttliche Natur besitzt. Um uns zu retten, kam Jesus; er nahm die menschliche Natur an und erlebte alles, was wir durchmachen, außer der Sünde. Er war hungrig - Matt. 4:4, er war durstig - Joh. 4:7, er war wütend - Joh. 2:13-16, und er weinte (Joh. 11:35), um nur einige Beispiele zu nennen.

Kein Wunder also, dass Jesus im heutigen Evangelium den Kummer der Apostel spürte, nachdem er ihnen gesagt hatte, dass sie ihn für kurze Zeit nicht sehen würden. Er beschloss, die Medizin zu hinterlassen, die den Kummer der Menschheit immer wieder heilen würde. Diese Medizin ist eine Medizin der LIEBE. "Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander" - Joh 13. Der heilige Johannes sagt uns, dass Gott die Liebe ist. Das gleiche Evangelium sagt uns, dass Christus Gott ist. Mit unserer einfachen Logik können wir sagen, dass Jesus die Liebe ist. Stellen Sie sich vor, wie er seine Liebe manifestiert hat. Wir sehen das Mitleid Jesu mit den Kranken, den Lahmen, den Krüppeln, den Blinden und sogar mit den Hungrigen. Er wischte ihnen die Tränen aus den Augen.

Ich habe eine Geschichte gelesen, in der jemand fragte, ob die Religion uns nicht mehr schadet als nützt, und ein anderer zitierte und bestätigte Karl Marx' Theorie, dass Religion das Opium des Volkes ist. Das mag gut klingen. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass die Geheimnisse der Welt von den Menschen und der Wissenschaft niemals vollständig entschlüsselt werden können. Wir würden also ewiges Leid ertragen müssen, ja unserem Leben selber ein Ende bereiten wollen, uns also in ewigen Tränen suhlen und auf eine Selbstmordmission zusteuern wenn wir nicht die Gegenwart eines allmächtigen, barmherzigen und fürsorglichen, aber gerechten Gottes anerkennen, der sich uns in seinem Sohn Jesus Christus offenbart hat. Wahre Religion ist daher diejenige, die Mitgefühl mit dem mensch-lichen Leid zeigt, die die Tränen abwischt, anstatt weitere Tränen zu verursachen. Nur Jesus ist gekommen, um das zu tun. Er tat es in Liebe und durch Liebe. Er gibt sie uns jetzt als die Lösung für die Probleme der Welt. Wenden wir sie als die Medizin an, die die Schmerzen der Menschen heilen kann.

Michael Lubega