Das Wort zum Sonntag – Pfingstfest

Liebe Pfarrgemeinde!

Man kann sich die Situation der Jüngerinnen und Jünger nach der Hinrichtung Jesu gut vorstellen. Unsicherheit, Angst, Mutlosigkeit und Resignation haben sich breit gemacht. Mit dem Auferstehungsgeschehen keimt Hoffnung auf. Jesus lebt - ER lässt uns nicht im Stich - ER nimmt uns weiterhin an seiner Hand und führt uns. In diese Hoffnungsstimmung platzt als sichtbares Zeichen, dass Jesu Zuspruch des Heiligen Geistes keine Fiktion ist, das Pfingstereignis. Dieses wird für die Anhängerinnen und Anhänger Jesu zum Startschuss um von der Blindheit zum Sehen, von der Verzagtheit zur Überzeugung, vom Zweifel zum Wissen, von der Niedergedrücktheit zum mutigen aufgerichtet sein, von der Stagnation und Resignation zum Aufbruch zu gelangen.

Wahrscheinlich kennen wir alle solche „Pfingstereignisse“ aus unserem persönlichen Leben. Auch in der Geschichte unserer Kirche als Institution ist dieses Ausgießen des Heiligen Geistes immer wieder wirkmächtig sichtbar geworden. Ich denke da zum Beispiel gleich an die Früchte des Zweiten Vatikanischen Konzils, das - allen Restaurationsversuchen zum Trotz - unserer Kirche eine ganz neue Dynamik verliehen hat. Eine Dynamik, die wir, die unsere Kirche, bei den Umstrukturierungsprozessen, ganz gleich wie man in dieser geplanten Form dazu steht, so dringend bräuchte: mutiges Aufbrechen statt letzten Endes struktureller und spiritueller Stagnation und Resignation.

Weil sie gerade zu Pfingsten aktueller denn je sind darf ich an dieser Stelle noch einmal meine Prämissen für eine gute Zukunft unserer Kirche zusammenfassen, wie ich sie schon vor einigen Jahren in den Pfarrblättern von St.Peter und St.Michael ausformuliert habe:

- Wir brauchen eine Diskussion auf Augenhöhe: Diejenigen, die die Entscheidungen mitzutragen haben, müssen auch zu Wort kommen können und vor allem dann auch gehört werden! Aufgesetzte Lösungen sind einfach - beinhalten jedoch ein hohes Potential zum Scheitern.

- Wir brauchen die Freiheit des Denkens: Kein Gedanke soll gleich von Beginn an als denkunmöglich abgestempelt werden. Im Gegenteil, wir müssen Freiräume für vielleicht auch unorthodoxe Lösungsansätze schaffen, wir müssen die Horizonte erweitern und nicht verengen.

- Wir dürfen uns nicht fürchten: „Fürchtet Euch nicht“ ist einer der häufigsten Sätze in unserer Bibel - je nach Zählweise findet er sich bis zu 366 Mal. Wir müssen neue Wege mutig und entschlossen gehen, wenn wir unseren Anspruch uns an der Botschaft Jesu zu orientieren, ernst nehmen.

- Wir brauchen ein Hand in Hand gehen von Ehren- und Hauptamtlichen, aber auch von Hauptamtlichen vor Ort und den Hauptamtlichen in den diözesanen „Schaltstellen“.

- Wir müssen uns wieder mehr an der unten angeführten Stelle aus dem Markusevangelium (Mk 9,35) orientieren: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“.

„Veni Sancte Spiritus - Komm, Heiliger Geist“.

Heinz Kratochwill