Das Wort zum Sonntag – 17. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Die personellen Veränderungen mit 1.September werfen ihre Schatten voraus. Insbesondere in meiner Heimatpfarre St.Michael ist ein großer Paradigmenwechsel angesagt. Unser Experiment (so muss man es nennen, weil es ja keine wirklichen Vorlagen gegeben hat) der Kooperation von mehreren Pfarren in einem ÜBERSCHAUBAREN Rahmen hat leider bei den diözesanen Verantwortlichen nur wenig bis gar keine Beachtung und schon gar keine Akzeptanz erfahren. Dies, obwohl wir durchaus auch stolz sein können auf die vielfachen Initiativen der Zusammenarbeit, die wir in den letzten sieben Jahren entwickelt, gesetzt und gelebt haben. Natürlich haben sich auch manche Dinge anders entwickelt, als wir es uns erhofft haben. Allerdings haben wir auch immer wieder betont, dass wir auf einem Weg sind (und das schließt Irrwege ein, die es gilt zu korrigieren), dass auch wir keine Universalrezepte anbieten können, dass die Ziele oftmals noch in der Ferne liegen und wir sie daher mitunter nur schemenhaft erkennen können. Und wir dürfen uns eingestehen, dass auf diesem Weg auch Fehler passiert sind, dass das „Kirchturmdenken“ manchmal stärker ausgeprägt war als das gegenseitige Vertrauen, die gegenseitige Zuwendung, der achtsame Umgang miteinander. Trotzdem brauchen sich die Pfarren Hlgst. Dreifaltigkeit, St.Peter und St.Michael und ihre Verantwortungsträger für das Geleistete der letzten sieben Jahre nicht schämen.

Die Diözese Linz hat sich leider anders entschieden. Eine aufgeblasene Megapfarre, die - wie ich befürchte - die einzelnen „Pfarrgemeinden“ (wie sie dann heißen sollen) zu Befehlsempfängern eines örtlich und wahrscheinlich auch emotional distanzierten Machtapparates degradiert. Dabei überkommt mich das ungute Gefühl, dass so manchem Verantwortungsträger unserer Diözese die Gier nach Macht und Machterhalt größer ist als das „nahe am Menschen sein“ (auch wenn diese Absicht immer wieder beteuert wird).

Wer meine Beiträge in den Gemeindebriefen oder auch in den Pfarrblättern von St.Michael der letzten Jahre regelmäßig gelesen hat, merkt wahrscheinlich, dieses Thema brennt mir wirklich unter den Nägeln. Sollten meine Befürchtungen eintreten wird es durch diese strukturellen Änderungen nach den Jahrzehnten der Kirchenaustritte von Menschen, die mit unserer Kirche „nichts mehr am Hut gehabt haben“ - wie man landläufig sagt - zu Kirchenaustritten von Menschen kommen, denen unsere Kirche am Herzen liegt, die ihre spirituellen Bedürfnisse in dieser Kirche leben möchten. Zu diesen Kirchenaustritten zählen nicht nur die profane Form der Bekanntgabe des Kirchenaustritts am Magistrat und das Einstellen der Entrichtung des Kirchenbeitrages. Dazu gehören auch andere Formen des „Kirchenaustritts“ wie Reduktion des Glaubenslebens auf passive Teilnahme und Konsumation, spirituelle Retraktion in den persönlichen und privaten Bereich oder schlicht und einfach die innere Emigration in ihrer Gesamtheit. Gott gebe, dass ich mit meinen Befürchtungen Unrecht habe, dass wir in 10, 20 oder 30 Jahren sagen können, das, was unsere Kirche gemacht hat, war ein mutiger, innovativer, aber vor allem heilsbringender Weg.

Worauf es wirklich ankommt hören wir im heutigen Evangelium des 17. Sonntags im Jahreskreis. Es ist KEIN hochkomplexer philosophisch-theologischer Überbau unseres Glaubens, es sind NICHT aufwendige organisatorische Strukturen, es sind KEINE imposanten Kirchengebäude oder sonstige Immobilien. Es ist die Zuwendung zu den Menschen in all ihren Nöten, Sorgen und Ängsten. Dazu sind wir alle durch die Taufe in Jesus Christus berufen.

Ich wünsche Ihnen (Euch) einen schönen, von unserem Gott getragenen Sonntag und allen, die den Urlaub noch vor sich haben, erholsame Tage.

Heinz Kratochwill