Das Wort zum Sonntag – Fest Mariä Himmelfahrt

Liebe Pfarrgemeinde!

Auf dem Höhepunkt des Sommers, am 15. August feiert die Kirche das Fest der Aufnahme Mariens, der Mutter Jesu, in den Himmel. Papst Pius XII. hat am ersten November 1950 diese alte Glaubensüberzeugung als Dogma verkündet.

Was sagt uns dieses Fest?

Das Fest Maria Himmelfahrt möchte uns befreien von aller Leibfeindlichkeit.

Maria ist Bild der erlösten Schöpfung. Wir feiern am Fest der ganzheitlichen Aufnahme Mariens in den Himmel die Würde unseres Leibes und unserer Seele. In unserem Leib, der durch den Tod hindurch in die Gestalt des verherrlichten Leibes Christi verwandelt wird, will jetzt schon Gottes Herrlichkeit aufleuchten. Unser Leib ist Ort der Gotteserfahrung und Gottesbegegnung. Wir können Gottes Liebe nur über unseren Leib erfahren, indem wir uns von ihm in seiner Schöpfung berühren und umarmen lassen, indem wir im Brot und Wein der Eucharistie seinen Leib und sein Blut in uns aufnehmen und uns davon verwandeln lassen.

Das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel hat für uns folgende Botschaft:

Wir fallen im Tod nicht ins Bodenlose. Wir sterben in die mütterlichen und väterlichen Arme Gottes hinein. Natürlich wird der hinfällige Leib verwesen. Aber unsere ganze Person, die sich in diesem Leib ausdrückt, wird aufgenommen in die Herrlichkeit Gottes. „Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib.“

Es ist an manchen Orten ein alter Brauch, dass die Gläubigen am Fest Maria Himmelfahrt Heilkräuter sammeln und sie zu kunstvollen Kräuterbüscheln binden. Sie bringen sie in die Kirche und lassen sie in diesem festlichen Gottesdienst weihen (so auch heute hier). Dann nehmen sie diese mit nach Hause und hängen sie in ihren Häusern unter das Kreuz oder legen sie auf die Gräber ihrer Angehörigen. Damit bezeugen sie: Der Tod hat keine Macht mehr über uns. Gottes heilende und verwandelnde Kraft ist stärker als der Tod.

In der Mitte des Sommers verweist uns das Fest Maria Himmelfahrt auf die Schönheit der Schöpfung, in der Gottes Schönheit und Fülle seines Lebens gleichnishaft aufleuchtet.

Die Frau in der Lesung ist mit kosmischen Bildern geschmückt:

"Ein großes Zeichen erschien am Himmel, eine Frau, mit der Sonne umkleidet, zu ihren Füßen der Mond, auf ihrem Haupte ein Kranz von zwölf Sternen"

Die Bibelauslegung sieht in der Frau die Kirche und Maria.

Die Sonne ist ein Bild für den auferstandenen Christus. In der Auferstehung ist Christus für uns als Sonne aufgegangen, die alle Finsternis besiegt. Maria und die Kirche sind mit der Sonne umkleidet. Beide stehen im Lichte der Auferstehung Christi. Mit ihnen werden auch wir aus dem Dunkel des Todes auftauchen und eintauchen in das Licht des Auferstandenen. Das ist unsere Hoffnung.

Michael Lubega