Das Wort zum Sonntag – 25. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Wir möchten am liebsten perfekt sein, 100 %. Das bedeutet im Be¬ruf: Karriere machen, ganz oben, an der Spitze sein. Das bedeutet im christlichen Le¬ben für viele, alles mit Strich und Komma zu glauben, was in der Hl. Schrift, im Ka¬techismus, in den Verlautbarungen des Papstes steht.

Jesus denkt anders. Seine Jünger hatten sich darüber gestritten, wer unter ih¬nen der Größte sei. Jesus beantwortete ihre Frage dadurch, dass er ein Kind in ihre Mitte stellte.

Er stellte also nicht einen großen, erwachsenen, vollkommenen, fast perfekten Menschen in ihre Mitte, sondern ein Kind. Ein Kind ist nicht perfekt. Es muss noch wach¬sen und reifen. Es muss noch lernen. Es lernt dadurch, indem es Fehler macht. Es macht so gut wie nichts 100 %. Es ist noch auf dem Weg und nicht am Ziel.

Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte. So will Jesus auch uns haben: als Lernende, nicht als Alleskönner; als Barmherzige und Verstehende, nicht als Einteilende, Ur¬teilende und Verurteilende; als schlichte, einfache Menschen ohne Leistungs¬zwang; als Menschen mit offenen Händen und dem festen Vertrauen: Es wird alles gut.

Wir dürfen also Fehler und Schwächen haben. Wir brauchen uns ih¬rer nicht zu schämen. Wir haben es gar nicht nötig, die Rolle einer starken Frau, eines starken Mannes zu spielen. Was uns allein trägt, das ist die Liebe.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag

Kaplan Michael Lubega