Das Wort zum Sonntag – 31. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Pfarrgemeinde!

Im Evangelium dieser Woche setzt sich Jesus – wieder einmal – mit den Schriftgelehrten und Pharisäern auseinander. Sie sind gesetzestreue Menschen. Sie leben mit Selbstdisziplin, sie fasten, geben den Tempelzehnten, halten den Sabbat und die Speise- und Reinigungsvorschriften. Sie kennen die 248 Gebote und 365 Verbote und versuchen sie zu befolgen. Das führte oft zu einem stolzen und selbstgerechten Verhalten. Sie halten sich für Gott gefällig und verdanken, was sie tun, nicht der Gnade Gottes, sondern der eigenen Leistung. Jesus stand ihnen nahe, weil sie das Gesetz des Moses weitergaben und suchte mit ihnen den Dialog.

In der frühchristlichen Gemeinde, für die Matthäus schreibt, gab es Tendenzen, dass einzelne sich besser vorkamen als andere. Titel waren wichtig. Es bildete sich ein Gefälle von Titel- und Würdenträgern zu den Armen, Einfachen und Ungebildeten. Doch für ChristInnen sollte nur das Beispiel Jesu maßgeblich sein. Er hat vorgelebt, was er sagte: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“

Nicht nur die Träger kirchlicher Dienste und Ämter sind heute bei uns von dieser Kritik Jesu betroffen. Sicher müssen alle, die vorne stehen oder leiten, sich fragen, ob sie dienen oder Macht ausüben. Können sie Kritik ertragen? Können sie auch in die zweite Reihe zurücktreten? Kritisiere ich nur als Gemeindeglied, oder ergreife ich Partei für den Glauben? Bekenne ich mich zu Jesus im Alltag? Bringe ich Liebe in die Gemeinde? Das sind die Fragen, die uns beschäftigen sollen.


Schließen möchte ich mit dem bekannten Gebet eines chinesischen Christen:
Herr, erwecke Deine Kirche und fange bei mir an.
Herr, baue Deine Gemeinde und fange bei mir an.
Herr, lass Frieden überall auf Erden kommen und fange bei mir an.
Herr, bringe Deine Liebe und Wahrheit zu allen Menschen
und fange bei mir an.

Pfarrassistent Franz Pamminger