Das Wort zum Sonntag – Christkönigssonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

Ein merkwürdiges Fest feiern wir heute. Ein Relikt aus dem Mittelalter?! Das Christkönigsfest wurde nach dem Konzil nicht nur nicht abgeschafft, sondern sogar aufgewertet – haben sich da die Theologen irgendwie vertan? – Könige gibt es bei uns schon lange nicht mehr und als Untertanen möchten wir uns ja auch nicht mehr fühlen.

Der Begriff „König“ lässt mitunter an Machtausübung, an Freiheitseinschränkung und an Bevormundung denken. Wieder einmal dürfen wir uns also der Aufgabe stellen, zu erklären, warum wir Christus, den König, feiern.

Unser letzter Monarch war der Habsburger Kaiser Karl I. – 2004 wurde er gar in die Schar der Seligen aufgenommen. Und auch wenn wir anderer Überzeugung sind: Wir haben unsere Könige bis heute nicht abgeschafft! Wo Jesus Christus nicht Herr und König ist, da werden Ersatzherren eingesetzt: Sie heißen „Geld“, „Alkohol“, „König Fußball“, „die da oben“ und vermehrt auch „starker Mann“.

Christkönig vermittelt da ein gegenteiliges Bild: Hier wird ein Fest der Befreiung gefeiert, eine Erinnerung daran, dass wir in Jesus eine „königliche Priesterschaft“ (1Petr 2,9) sind. „Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht …, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,15). Keine Knechte, sondern Erben sind wir: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Gal 5,1). „Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi“ (Röm 8,17). Er versichert uns sogar: „Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen“ (Offb 3,21).

Das Königtum Christi steht dafür, dass Gott wirklich der Herr der Welt und der Geschichte ist, dass er die Macht hat, den Tod zu besiegen. Er ist ein König, der nicht mit Gewalt auftritt und uns nicht mit Macht erobert, sondern der am Kreuz unsere Herzen einnehmen möchte. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe“, beten wir auch heute wieder. Nein, die Theologen haben sich nicht geirrt – dieses „Christkönig“ ist aktueller denn je!

Pastoralassistent Michael Mitter