Das Wort zum Sonntag – 1. Adventsonntag

Liebe Pfarrgemeinde!

Wir haben Advent. Advent ist zum einen Vorbereitung auf das Kommen Gottes. Nicht nur auf ein Kind in der Krippe, sondern zugleich auf den Menschensohn, der von Gott kommt zu richten die Lebenden und die Toten. – Wie würdet ihr reagieren, wenn ich euch jetzt wie Johannes zurufe: „Das Ende ist nahe!“ Wahrscheinlich mit: Franz, jetzt bitte nicht. Jetzt ist Advent, jetzt möchte ich ein wenig weihnachtliche Stimmung spüren, und dann auf dem Adventmarkt Glühwein und Punsch trinken. Sooo schlecht ist unsere Welt unter der Woche doch gar nicht, als dass wir sonn- und feiertags ihr Ende herbeisehnen müssten. - Der Mayakalender hat sich schließlich auch geirrt. So schnell geht die Welt schon nicht unter.

Vielleicht, hoffentlich denkt ihr aber auch: endlich, endlich leben. Advent, das ist die Zeit anzufangen, endlich zu leben. - Was ist wichtig für uns? - Ich behaupte mal, die Antworten fallen ganz unterschiedlich aus. Was mich dabei interessieren würde: Warum sind uns Dinge wichtig? - Luxus, lateinisch eigentlich ‚üppige Fruchtbarkeit‘ bezeichnet laut Lexikon Verhaltensweisen, Aufwendungen oder Ausstattungen, welche über das übliche Maß hinausgehen bzw. über das in einer Gesellschaft als notwendig oder sinnvoll erachtete Maß. – Da frage ich mich schon: Was wäre das für ein Leben, dass sich nur danach richtet, was eine Gesellschaft für notwendig oder sinnvoll erachtet und nur das gibt es?

Ich lade euch ein: Feiert in den nächsten Wochen einmal den wahren Luxus. Wahrer Luxus hat ganz wenig mit Preisschildern und Kontoständen zu tun. Wahrer Luxus ist etwas zu haben, weil es schön ist, einfach so, ohne „um zu“, ohne Strategien und Absichten zu verfolgen. Einfach so, weil es schön ist, weil es mir gut tut. Luxus ist, etwas haben zu dürfen, nicht haben zu müssen.

Endlich leben, das heißt dann auch, sich selbst etwas Gutes zu gönnen, jenseits aller Kosten-Nutzen-Rechnungen. Einfach so. Wir beginnen endlich zu leben, wenn wir aufhören, uns darüber zu definieren, was wir haben, sondern darüber, was wir sind. Menschen, Christinnen und Christen sind wir. Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Lebkuchen essen und ich würde ihn teilen mit denen, die ich liebe. Und manchmal schaffe ich es sogar zu teilen mit denen, die ich gar nicht so liebe. Und mit ihnen ein Glas Punsch zu trinken!

Pfarrassistent Franz Pamminger